Vorschau: TB Jahn - SV Gonsenheim, Sonntag 19.5.2019, 15.00 Uhr

Der SV Gonsenheim steht als Meister und Aufsteiger in die Oberliga fest. Zwei Spieltage vor Schluss haben die Mainzer acht Punkte Vorsprung vor dem FV Dudenhofen. Die Elf aus dem Spargeldorf wird die Relegationsspiele bestreiten. Deren Ausgang ist schon jetzt für die Liga von besonderem Interesse. Beim aktuellen Stand der Dinge steigt aus der Oberliga nur Idar-Oberstein ab. Das bedeutet, dass es zunächst drei Absteiger in der Verbandsliga geben wird. Vier Absteiger gibt es nur, wenn eine zweite oder sogar dritte Mannschaft aus der Oberliga in die Verbandsliga Südwest zurückkehren muss. Vier Absteiger sind allerdings die Obergrenze. Diese Anzahl würde es bei einem erfolgreichen Abschneiden des FV Dudenhofen, verbunden mit dem Aufstieg in die Oberliga, um einen reduzieren. Der TB Jahn gehört zu den Teams, die davon möglicherweise profitieren könnten. Neben allen eigenen Anstrengungen schaut der TB Jahn deshalb immer auch auf das Geschehen auf den unteren Plätzen der Oberliga. Hassia Bingen und Arminia Ludwigshafen dürfen nicht schlechter als Platz 13 abschließen. Später wird man eventuell dem FVD fest die Daumen drücken müssen.

Der Gast am kommenden Sonntag ist in diesem Jahr einer der sieben Vertreter aus Rheinhessen. Und er ist der mit Abstand sportlich erfolgreichste. Nach dem Abstieg aus der Oberliga im vergangenen Jahr kannte man bei den Mainzern nur das eine Ziel, Wiederaufstieg. Aus der höheren Klasse waren sie nach acht Jahren unter etwas unglücklichen Umständen abgestiegen. Wegen einer verschärften Abstiegsregelung, die Liga spielte mit 19 Mannschaften und musste zur neuen Runde wieder auf 18 Teams reduziert werden, traf es auch den FV. Wegen des Abstiegs von drei Vereinen aus dem Gebiet der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar aus der Regionalliga, sowie des Scheiterns des FKP in den Aufstiegsspielen, mussten Dudenhofen, Gonsenheim und Morlautern, eine Klasse tiefer gehen. Der FV Gonsenheim war als Tabellenfünfzehnter einer der Leidtragenden.

Damit hat man sich beim SVG nicht lange aufgehalten. Die Planungen vor dieser Runde haben angedeutet, wo der SV seine Zukunft sieht. Trotz des Abgangs von mehr als 15 Spielern und dem Ausscheiden des in Mainz und Umgebung bestens bekannten und vernetzten Trainers Babak Keyhanfar, er wechselte als Co-Trainer zur U-19 des FSV Mainz, gab es nur ein Ziel, die Rückkehr in die Oberliga. Dazu passt auch die Verpflichtung des neuen Mannes für die Trainerbank. Christian Lüllig ist ein Coach der klaren Worte und einem ebensolchen Konzept. Er war bis 2015 Coach der zweiten Mannschaft des SV Wehen-Wiesbaden. Trotz seiner relativ jungen Jahre, Christian Lüllig ist gerade mal 39, hatte er vorher schon in verschiedenen hessischen und rheinhessischen Vereinen bemerkenswerte Arbeit abgeliefert. Er nahm nach seinem Ausscheiden bei Wehen-Wiesbaden eine privat begründete dreijährige Auszeit und kam vor dieser Saison beim SV wieder zurück ins Fußballgeschäft. Dass er der richtige Mann war, hat er innerhalb von kurzer Zeit bewiesen. Er hat auf Anhieb aus einer neu formierten Mannschaft eine technisch und kämpferisch hervorragende Einheit geformt.   

Sein Abwehrchef heißt seit dieser Saison Ferhat Gündüz. Er kam als spielender Co-Trainer vom TuS Rüssingen. Vorher hat er in verschiedenen auch höherklassigen Teams gespielt, u. a. für Idar-Oberstein in der Regionalliga. Das Mittelfeld ist mit jungen und dennoch erfahrenen Spielern besetzt. Dazu zählt Dominik Ahlbach, der bis 2017 in Bingen am Ball war. Ein typischer Spieler für den SV ist Damir Bektasevic, weil er mit dem Verein verbunden geblieben ist. Er hatte für Gonsenheim gespielt und dann den SVfür ein Jahr verlassen. Seit seiner Rückkehr 2016 ist er eine fest Größe der Mannschaft. Im Angriff sind die Rheinhessen herausragend besetzt. Ihr aktuell bester Torschütze Dennis Merten, der bis zum 28. Spieltag bereits 21 Mal getroffen hatte, kam aus einer unteren hessischen Liga und schlug sofort ein. Und dann ist da noch der 21jährige Khaled Abou Daya. Er begann seine Laufbahn beim SV, wechselte als Jugendlicher schon zu Schott Mainz wo er in der A-Jugend spielte. 2016 rückte er, noch als Jugendlicher, in deren Oberligakader auf. Zur vorletzten Saison kam er nach Gonsenheim zurück. Er ist ein Stürmer, körperlich präsent, der fast auf allen Angriffspositionen zu finden ist. Bisher hat er bei 18 Einsätzen schon 13 Mal getroffen. Der TB Jahn kann sich an diese Stürmer erinnern. Im Hinspiel trafen beide je zweimal. Den fünften Treffer erzielte Dominik Ahlbach. Überhaupt haben die Mainzer Vorstädter die meisten Tore der Liga geschossen. Bisher 18 Spieler zeichnen dafür verantwortlich. Gleichzeitig unterstreicht auch die geringste Anzahl an Gegentoren, die defensive Qualität der Elf.

Die Stärke der Mannschaft ist sicherlich ihre Geschlossenheit. Auch das ist ein Verdienst des Trainers. Er hat aus Spielern unterschiedlichen Charakters und Spielstärke ein Team geformt. Im Kader stehen etliche Eigengewächse. Das zeichnet den SV ebenfalls aus. Seine Jugendarbeit ist bemerkenswert und bringt immer wieder neue Talente hervor. Man spielt mit den drei ältesten Jugenden jeweils in der Regionalliga. Nicht nur in Gonsenheim, sondern in fast allen Mainzer Vereinen sind Spieler aktiv, die eine Gonsenheimer Vergangenheit haben. Beim TuS Marienborn zum Beispiel, der TB Jahn war letzten Sonntag dort zu Gast, haben fast zwei Drittel aller Akteure des Kaders schon einmal das Gonsenheimer Trikot getragen.

Seit dem achten Spieltag ist Gonsenheim ununterbrochen Tabellenführer. Am zehnten Spieltag gab es die erste von bisher zwei Niederlagen. Überraschend verlor man zu Hause gegen Bad Kreuznach mit 1:2. Das war ein Ausrutscher. Danach siegt man zwölfmal in Folge, bevor man sich ein Unentschieden in Alzey und die zweite Heimniederlage gegen Marienborn leistete. Seitdem hat die Elf wieder eine weiße Weste. Was es für den TB Jahn nicht ganz einfach machen wird, ist der besondere Umstand, dass der kommende Gegner auswärts nichts liegen lässt. Bisher haben die Gonsenheimer bei ihren Gastgebern in 14 Spielen nur einen Punkt abgegeben. Dazu passt natürlich, dass die Mannschaft auf fremden Plätzen, weniger Gegentore zuließ als auf heimischen Gelände. Die Aufgabe wird für die Zeiskamer schon gewaltig.